Die Bedeutung des Kriegsausbruch fur die Firma Fokker

Mit Ausbruch des Krieges begann fur Fokker eine neue Ara. Das Interesse des Heeres an Flugzeugen wuchs mit einem Schlag gewaltig an. Es kam sogar soweit, daft zwischen Heer und Marine ein regelrechter Wettstreit um den Erwerb von Flugzeugen entbrannte. In dieser Zeit erzielte Fokker Preise fur seine Flugzeuge, von deren Hohe er zuvor nicht einmal zu traumen gewagt hatte3). Das Heer, die Marine sowie Osterreich-Ungarn traten an Fokker heran und erteilten Auftrage iiber die Produktion weiterer Flugzeuge. Er erkannte die Gunst der Stunde nur zu genau. Er wufke, daft er diesem plotzlichen Ansturm nicht wiirde Stand halten konnen und friiher oder spater aus dem Rennen fliegen muEte. Waren doch seine Anlagen in keinster Weise fiir die Produktion solch umfangreicher Serien ausgelegt. Dennoch nahm Fokker jeden Auftrag an der sich ihm auftat.

Schon nach kurzer Zeit muEte der junge Mann aus Holland Prioritaten setzen, er muEte entscheiden, wer fiir ihn der wichtigere Partner war, das Heer, die Marine oder Osterreich-Ungarn. Er versprach dem Heer seme Produktion voll und ganz auf deren Verlangen einzustellen. Die Produktion der, fiir die Marine und Osterreich-Ungarn vorgesehenen neuentwickelten M.7 wurde zunachst zuriickgestellt und das Hauptaugenmerk auf die Fertigstellung des M.8 Prototyps fiir das Heer gelegt. Die M.7 war ein Doppeldecker der spater doch noch in einer kleinen Stiickzahl aufgelegt wurde, aber auf Grund mehrerer Unfalle die mit ihr passierten nicht lange im Militardienst blieb. Um das Heer zufriedenstellend zu bedienen muEte er expandieren. In der Folge wurden neue Arbeiter eingestellt, weitere Werkzeuge wurden eingekauft und die Produktionsstatten weiter vergroEert. Auch die Flugschule von Fokker erhielt dreiEig weitere Offiziere, so daE er gezwungen war zu deren Bewaltigung auch hier neue Maschinen einzusetzen ). Unter den neuen Flugzeugen befand sich auch Fokkers M.3A die er zuvor an einen Russen verkauft hatte und noch bevor dieser sie in Empfang nahm durch das Heer beschlagnahmt wurde. Sie wurde aber an Fokker zuriickgegeben, da sie ungeeignet war. Wahrend einem Trainingsflug wurde sie bei einer Bruchlandung vollig zerstort.

Anthony Fokker hielt sein Versprechen, das er der Heeresverwaltung gegeben hatte und trieb die Entwicklung der M. S voran. Sie durchlief keine der ansonsten vorgeschriebenen Abnahmeuntersuchungen der Idflieg. Die Belastungsproben der Tragflache fiihrte Fokker in der von ihm iiblichen Weise durch. Er stellte einfach eine Anzahl seiner Arbeiter als Lebendgewicht auf die Fliigel der Maschine).

Die Flugleistungen der M. S, die aus der M.6 hervorging, waren auEerst zufriedenstellend. Oberstvon Eberhardt, der erste Inspekteur der Fliegertruppen, war sogar so von ihr beeindruckt, daE er die Aufstellung einer kompletten Feldflieger-Abteilung zur Artillerie-Beobachtung vornehmen lieE, die durchweg mit diesem Тур ausgeriistet werden sollte 5). Die militarische Bezeichnung der Fokker M. S wurde zunachst auf Fok. A und spater auf Fok. A. I festgelegt. Ihre, sowie die Produktion der 24 bestellten M.5L, wurden mit aller Geschwindigkeit vorangetrieben. Die ersten Fok. A wurden im Oktober 1914 an das Heer ausgeliefert.

*) Militargeschichtliches Forschungsamt: Die Militdrlu/t/ahrt biszum Beginn des Wcltknegcs 1914, technischer Band, S.256, 1966. 2) Weyl: Fokker/The Creative Years, S.81, 1965.

*) Fokker: Derfliegende Hollander, 1933.

*) Weyl: Fokker/The Creative Years, S.88, 1965.

^ v. Eberhard: Unserc Luftstrcitkrdfte 1914-1918, 1930

Die Idflieg sah vor, zwei Aufklarungs-Staffeln mit Fok. A. I ins Leben zu rufen. In der Folge entstanden die Feldflieger-Abteilungen 40 und 41. Beide blieben noch bis spat in das Jahr 1915 mit diesen Flugzeugen ausgeriistet. Eimge der M.8 wurden aber auch vereinzelt bei anderen Einheiten eingesetzt. Bis zum Juni 1915 standen offiziellen Aufzeichnungen zufolge 15 Fok. A. I im Einsatz an der Front. Alle iibrigen wurden zumeist zur Ausbildung von Piloten genutzt").

Da Fokkers Werksanlagen nicht in der Lage waren den Anforderungen nach neuen Flugzeugen, die fur die Front oder die Schulung neuer Piloten benotigt wurden, zu entsprechen, erhielten die Halberstadter Flugzeugwerke G. m.b. H. den Auftrag eine Serie der Fok. A. I unter Lizenz zu fertigen. Halberstadtintern erhielten sie die Kennzeichnung F.14 und offiziell wurden sie als Halb. A. II gefuhrt. Im Gegensatz zu Fokker fertigte Halberstaat diese Flugzeuge mit Holzriimpfen, da in ihren Werken das notige Wissen im Umgang mit der Autogenschweifiung nicht vorhanden war. Gegen Ende 1914 erschienen die ersten dieses Typs an der Front

Ein neues Bewustsein iiber die Bedeutung der Luftstreitkrafte entwickelte sich in den Kreisen der Militarfuhrung und die Umorganisierung der deutschen Fliegertruppe wurde geplant und durchgefiihrt3).

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